Modelle in der Mediation

Die Mediation basiert auf komplexen Kommunikationsmodellen die der Mediator kennen sollte um die verhärtete Konfliktkommunikation (Tiefenstruktur eines Konfliktes) und basierend auf den Modellen daraus Interventionsmaßnahmen ableiten zu können. Hier werden die wichtigsten Modelle kurz vorgestellt.

Das Harvard – Konzept

Das Harvard-Konzept (auch Harvard-Ansatz oder Harvard-Prinzip) ist die Methode des sachbezogenen Verhandelns. Das dahinterstehende Prinzip formulierte der amerikanischeRechtswissenschaftlerRoger Fisher im Jahr 1981 gemeinsam mit William L. Ury in dem Buch Getting to Yes (deutscher Titel: Das Harvard-Konzept).
(Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Harvard-Konzept)

Das Harvard – Konzept besteht aus 4 Prinzipien:

  1. Menschen und Probleme getrennt voneinander behandeln.
  2. Interessen stehen im Mittelpunkt, nicht Positionen.
  3. Entwicklung von Entscheidungsmöglichkeiten zum gegenseitigen Vorteil.
  4. Auswahl der besten Möglichkeiten und Anwendung neutraler Beurteilungskritereine.

Die sachbezogene Verhandlung ist hart in der Sache aber weich zum Mensch.

Ein wichtiges Element des Harvard-Konzeptes ist die BATNA (Best Alternative To a Negotiated Agreement). Das bedeutet von der im Moment als Best bewertete Alternative eine Grenze bzw. ein eigenes Limit definiert werden, bis dem ein Erreichen  einer Einigung akzeptabel erscheint.

Ein weiters Ziel ist es, seine echten, realistischen Alternativen zu kennen.

Das BATNA kann also vor einer Übereinkunft schützen, die man eigentlich gar nicht eingehen wollte und sie kann das Beste aus der Ausgangslage machen um die eigenen Interessen und Zielsetzungen so gut wie möglich nützt. Es stellt ein Hilfsmittel dar, um sich vor negativen Dynamiken im Verhandlungsprozess zu schützen, in dem der Abschlussdruck reduziert werden kann.

Die vier Ebenen eines Konflikts
(Quelle: Frohn, Fotoprotokoll Ausbildung Mediator, 2017)

  1. POSITION – Tat, Handlung, Verhalten
    Sichtbarer Teil des Konflikts: Was will ich, was mache ich? Was soll der Andere tun?
  2. INTERESSE – Bedürfnis, Interesse, Gefühl
    Wie kommt es zu dieser Position? Was möchte ich damit erreichen? Warum will ich das der/die Andere das so macht?
  3. MOTIVATION – Hintergrund, Erfahrung, Biografie
    Worauf basiert mein Interesse? Wie ist es dazu gekommen, dass ich dieses Interesse habe?
  4. GRUNDHALTUNG – Prinzipien, Werte Normen
    Was sind die zurgundeliegenden Ursachen für die Motivation, Interesse und Position? Was ist das Fundament der anderen Ebenen?

Humanistischer & (hypno-)systemischer Ansatz

Die Basis der Mediation bildet zum einen Carl Rogers mit seinen drei Basisvariablen der humanistischen Psychologie:

  • Empathie
  • Echtheit/Kongruenz
  • Unbedingte Wertschätzung/Akzeptanz

Diese Basisvariablen stellen die Grundlage da, wie den Konfliktparteien in hilfreicher Weise begenet werden kann. Im Konfliktfall sind die Empathie und Wertschätzung untereinander stark reduziert. Das vorbehaltlose Annehmen des Anderen insbes. seiner persönlichen Eigenheiten ist oftmals nicht mehr möglich. Die Kongruenz stark verändert – man reagiert im Konfliktfall anders als man in einer normalen Alltagssituation reagieren würde. Dadurch, dass diese Basisvariablen im Konfliktfall in ungünstiger Weise verändert sind ist die Haltung der MediatorInnen besonders wichtig. Sie trägt zu einer Beruhigung und somit zur Verhinderung einer weiteren Eskalation bei.

Ergänzt wird diese humanistische Grundhaltung durch den (hypno-)systemischen Ansatz. Dieser erweitert in konstruktiver Weise den klientenzentrierten Fokus auf das System der Klientinnen und Klienten. Die drei Säulen bzw. Grundprinzipien sind:

  • Kontextorientierung: ein Konflikt wird immer erst in einem bestimmen Kontext als Konflikt definiert
  • Kompetenz-/Ressourcenorientierung: Mediatoren tragen durch Fokussierung und Begleitung dazu bei, dass die Medianden einen Zugang zu ihren Kompetenzen und Ressourcen herstellen. Sie werden dadurch wieder kommunikations-, reflexions- und handlungsfähig.
  • Zukunfts- & Lösungsorientierung: Der Aufmerksamkeitsfokus wird auf das erwünschte Erleben gelegt. Durch spezielle Fragetechniken, gezielte Interventionen und kontinuierliche Aufmerksamkeitsfokussierung stärken die Mediatoren die Lösungskompetenz der Klienten, so dass langsam Raum für Lösungen entsteht.

Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall Rosenberg

Die Gewaltfreie Kommunikation (GFK) ist ein Handlungskonzept, das von Marshall B. Rosenberg entwickelt wurde. Es soll Menschen ermöglichen, so miteinander umzugehen, dass der Kommunikationsfluss zu mehr Vertrauen und Freude am Leben führt. GFK kann in diesem Sinne sowohl bei der Kommunikation im Alltag als auch bei der friedlichenKonfliktlösung im persönlichen, beruflichen oder politischen Bereich hilfreich sein. Im Vordergrund steht nicht, andere Menschen zu einem bestimmten Handeln zu bewegen, sondern eine wertschätzendeBeziehung zu entwickeln, die mehr Kooperation und gemeinsame Kreativität im Zusammenleben ermöglicht. Manchmal werden auch die Bezeichnungen „Einfühlsame Kommunikation“, „Verbindende Kommunikation“, „Sprache des Herzens“ oder „Giraffensprache“ verwendet.

Aus gewohnheitsmäßigen, automatischen Reaktionen werden bewußte Antworten, die fest auf dem Boden unseres Bewußtseins dessen stehen, was wir wahrnehmen, fühlen und brauchen.

Quelle: M.B. Rosenberg, 2016, Gewaltfreie Kommunikation

Die GfK trägt dazu bei, dass sich unser natürliches Einfühlungsvermögen wieder entfalten kann und fördert in einem großen Maße das intensive Zuhören, den Respekt und die Empathie. Damit sind in einem Konfliktgespräch die besten Voraussetzungen gegeben, um zu einer einvernehmlichen Lösung zu kommen.

Das Grundmodell der GFK besteht aus 4 Schritten:

  1. Beobachtung bedeutet, eine konkrete Handlung (oder Unterlassung) zu beschreiben, ohne sie mit einer Bewertung oder Interpretation zu vermischen. Es geht hierbei darum, nicht zu bewerten, sondern die Bewertung von der Beobachtung zu trennen, so dass das Gegenüber Klarheit erhält, worauf man sich bezieht.
  2. Die Beobachtung löst ein Gefühl aus, das im Körper wahrnehmbar ist. Gefühle sollten von Gedanken unterschieden werden. Die Gefühle stehen mit einem…
  3. Bedürfnis in Verbindung. Damit sind allgemeine Qualitäten gemeint, die vermutlich jeder Mensch auf Erden gerne in seinem Leben hätte, wie zum Beispiel Sicherheit, Verständnis, Kontakt oder Sinn. Gefühle sind laut GFK eine Art Indikator bzw. Ausdruck dessen, ob ein Bedürfnis gerade erfüllt ist oder nicht. Für den einfühlsamen Kontakt sind Bedürfnisse sehr wichtig, da sie den Weg zu einer kreativen Lösung weisen, die für alle Beteiligten passt.
  4. Aus dem Bedürfnis geht schließlich eine Bitte um eine konkrete Handlung im Hier und Jetzt hervor. Um sie möglichst erfüllbar zu machen, lassen sich Bitten und Wünsche unterscheiden: Bitten beziehen sich auf Handlungen im Jetzt, Wünsche dagegen sind vager, beziehen sich auf Zustände („sei respektvoll“) oder auf Ereignisse in der Zukunft. Erstere sind leichter zu erfüllen, haben deshalb auch mehr Chancen auf Erfolg. Rosenberg schlägt außerdem vor, Bitten in einer „positiven Handlungssprache“ zu formulieren – d. h. zu sagen, was man will, statt was man nicht will. Man kann unterscheiden zwischen einer Handlungsbitte (beispielsweise darum, die Geschirrspülmaschine auszuräumen) und einer Beziehungsbitte (beispielsweise um eine Beschreibung der eigenen Empfindungen).

Axiome (Grundsätze) der GFK:

  • Eigenverantwortung
  • Haltung (Kongruenz, Empathie, Wertschätzung)
  • Empfängerhorizont (Inhalt und Wirkung einer Nachricht)
  • Erleben entsteht durch Aufmerksamkeitsfokussierung
  • Die Lösung stehe im Mittelpunkt
  • Lösungsorientiert Kommunikation

Quelle: Frei zitiert und überarbeitet – Wikipedia – https://de.wikipedia.org/wiki/Gewaltfreie_Kommunikation#Grundannahmen

Das Eisbergmodell

Das Eisbergmodell veranschaulicht im Rahmen der Konflikttheorie die Diskrepanz zwischen dem sichtbaren Konflikt und dem latenten Konflikt bzw. dem Hintergrund des Konflikts.

Eisberg Modell
Das Eisbergmodell

Das Vier-Seiten-Modell

Das Vier-Seiten-Modell (auch Nachrichtenquadrat, Kommunikationsquadrat oder Vier-Ohren-Modell) von Friedemann Schulz von Thun ist ein Modell der Kommunikationspsychologie, mit dem eine Nachricht unter vier Aspekten oder Ebenen beschrieben wird: Sachinhalt, Selbstoffenbarung, Beziehung und Appell. Diese Ebenen werden auch als „vier Seiten einer Nachricht“ bezeichnet. Das Modell dient zur Beschreibung von Kommunikation, die durch Missverständnisse gestört ist.

Vier-Seiten-Modell einer Nachricht
Vier-Seiten-Modell einer Nachricht

Die Nachrichten können aus vier unterschiedlichen Richtungen angesehen und unter vier unterschiedlichen Annahmen gedeutet werden – dies sind die vier Aspekte oder Ebenen, die Schulz von Thun als „Seiten einer Nachricht“ bezeichnet:[

  1. Sachaspekt –  die beschriebene Sache („Sachinhalt“, „Worüber ich informiere“)
  2. Selbstkundgabe – dasjenige, was anhand der Nachricht über den Sprecher deutlich wird („Selbstoffenbarung“, „Was ich von mir selbst kundgebe“)
  3. Beziehungsaspekt – was an der Art der Nachricht über die Beziehung offenbart wird („Beziehung“, „Was ich von dir halte oder wie wir zueinander stehen“)[A 1]
  4. Appell – dasjenige, zu dem der Empfänger veranlasst werden soll („Wozu ich dich veranlassen möchte“)

Das Vier-Ohren-Modell
Das Vier-Ohren-Modell

Qhelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Vier-Seiten-Modell
Bilder: By eigenes Werk [Public domain], via Wikimedia Commons

Im Vier-Ohren-Modell ist noch mal dargestellt, auf welchem „Ohr“ der Empfänger die Nachricht empfangen kann. So fällt auch die Reaktion auf die Nachricht aus.

Meta-Modell von Beratungsprozessen: Joining-Pacing-Inviting

  1. JOINING – Treffen
  2. PACING – Gemeinsam gehen
  3. INVITING – Alternativen anbieten