Soziale Konflikte

Was ist ein sozialer Konflikt?

Zu diesem Thema gibt es in der wissenschaftlichen Literatur ein weites Spectrum an Konzepten und Definitionen. Eine mögliche Definition ist die Folgende (Zusammenfassung aus Definitionen von Glasl (2004), Becker (2000):

Ein sozialer Konflikt ist eine Interaktion zwischen Personen/Parteien die in einer gewissen Abhängigkeit zueinander stehen und mit Nachdruck versuchen, gegensätzliche Handlungspläne zu verwirklichen. Wenigstens eine Person erlebt Unvereinbarkeiten im Denken, Vorstellen, Wahrnehmen und/oder im Fühlen und/oder Wollen mit einer anderen Person so, dass sie beeinträchtigt wird.

Es entsteht ein Diskrepanzerleben zwischen einem erwünschten Soll-Zustand und einem unerwünschten Ist-Zustand.

Symptome des Konflikts

Während eines Konfliktes beeinflussen Konflikmechanismen vier unterschiedliche Ebenen:

  • Kommunikation – Geheimniskrämerei, Lügen, Irreführung, unzureichend
  • Wahrnehmung – alles was trennt wird deutlicher als das was verbindet, versöhnliche Gesten als Täuschung gewertet
  • Einstellung – Misstrauen steigt, Entwicklung von Feindseligkeiten, Ausnutzen
  • Aufgabenbezogen – keine gemeinsame Aufgaben mehr, jeder löst die Dinge alleine

Konflikteskalationsstufen nach Glasl

Glasl beschreibt in seinem Phasenmodel neun Stufen der eskalation. Diese werden auf übergeordneter Ebene auf drei Phasen zusammengefasst, welche auf das zu erwartende Ergebnis abziehlen, wenn keine rechtzeitige Intervention erfolgt:

Konflikteskalation nach Glasl

By Benutzer:Sampi (Quelle: Glasl, 1994, S. 216, 218-219) [CC BY-SA 2.0 de], via Wikimedia Commons

  1. win-win: Alle Parteien können noch gewinnen, den Konflikt selbst regeln.
    Stufe 1 – Verhärtung

    Konflikte beginnen mit Spannungen, z. B. gelegentliches Aufeinanderprallen von Meinungen. Es ist alltäglich und wird nicht als Beginn eines Konflikts wahrgenommen. Wenn daraus doch ein Konflikt entsteht, werden die Meinungen fundamentaler. Der Konflikt könnte tiefere Ursachen haben.

    Stufe 2 – Debatte

    Ab hier überlegen sich die Konfliktpartner Strategien, um den anderen von ihren Argumenten zu überzeugen. Meinungsverschiedenheiten führen zu einem Streit. Man will den anderen unter Druck setzen. Schwarz-Weiß-Denken entsteht.

    Stufe 3 – Taten statt Worte

    Die Konfliktpartner erhöhen den Druck auf den jeweils anderen, um sich oder die eigene Meinung durchzusetzen. Gespräche werden z. B. abgebrochen. Es findet keine verbale Kommunikation mehr statt und der Konflikt verschärft sich schneller. Das Mitgefühl für den „anderen“ geht verloren.

  2. win-lose: Nur noch ein NULL-Summenspiel möglich, Beendigung einer weiteren Eskalation aus eigener Kraft nicht möglich, es besteht die Notwendigkeit vermittelnede Parteien hinzuzuziehen.
    Stufe 4 – Koalitionen

    Der Konflikt verschärft sich dadurch, dass man Sympathisanten für seine Sache sucht. Da man sich im Recht glaubt, kann man den Gegner denunzieren. Es geht nicht mehr um die Sache, sondern darum, den Konflikt zu gewinnen, damit der Gegner verliert.

    Stufe 5 – Gesichtsverlust

    Der Gegner soll in seiner Identität vernichtet werden durch alle möglichen Unterstellungen oder ähnliches. Hier ist der Vertrauensverlust vollständig. Gesichtsverlust bedeutet in diesem Sinne Verlust der moralischen Glaubwürdigkeit.

    Stufe 6 – Drohstrategien

    Mit Drohungen versuchen die Konfliktparteien, die Situation absolut zu kontrollieren. Sie soll die eigene Macht veranschaulichen. Man droht z. B. mit einer Forderung (10 Mio. Euro), die durch eine Sanktion („Sonst sprenge ich Ihr Hauptgebäude in die Luft!“) verschärft und durch das Sanktionspotenzial (Sprengstoff zeigen) untermauert wird. Hier entscheiden die Proportionen über die Glaubwürdigkeit der Drohung.

  3. lose-lose: Alle Parteien können nur noch verlieren, allein massive Machteingriffe von außen könne das Abgleiten in die zerstörerische Phase verhindern.
    Stufe 7 – Begrenzte Vernichtung

    Hier soll dem Gegner mit allen Tricks empfindlich geschadet werden. Der Gegner wird nicht mehr als Mensch wahrgenommen. Ab hier wird ein begrenzter eigener Schaden schon als Gewinn angesehen, sollte der des Gegners größer sein.

    Stufe 8 – Zersplitterung

    Das Unterstützersystem des Gegners soll mit Vernichtungsaktionen zerstört werden.

    Stufe 9 – Gemeinsam in den Abgrund

    Ab hier kalkuliert man die eigene Vernichtung mit ein, um den Gegner zu besiegen.

(Quelle: Montada, Kals, 2013 „Mediation Psychologische Grundlagen und Perspektiven“, S.99 ff)
(Quelle: 9 Stufen: https://de.wikipedia.org/wiki/Konflikteskalation_nach_Friedrich_Glasl)